fuck you globales dorf!

die forschungswerkstatt kritische geographie im ivi. von der kritik im titel geblendet ging ich hin, traf doch dann leider nur auf geograph_innen auf der suche nach der linken bewegung. was noch gut mit thomas dörflers kritik an postmodernen geographien anfing, mündete recht schnell in sehr postmoderne diskussionen nach dem schema: irgendwelche mächte konstruieren räume, die wir dann dekonstruieren. materialistische raumtheorien klangen wenn dann nur am rande an. schließlich laufen die sozialen kämpfe, an die man anknüpfen will, ja auf einer ganz anderen ebene ab wie andrej holms vortrag bewieß: der stadtsoziologe hob die „marktferne“ der kommunalen wohnungsbaugesellschaften gegenüber investoren hervor, die für den neoliberalen umbau hin zum finanzmarktbasierten kapitalismus stehen. hier trifft sich der ruf nach einem starken sozialdemokratischen staat mit einem raumverständnis, in dem „marktferne“ zu einer relevanten kategorie wird und das selbst reaktionärste soziale kämpfe unterstützt. das publikum lobte dann schließlich die inhaltliche unbestimmtheit der initiative media-spree-versenken, weil sich so besonders viele aktivisten mit ihr identifizieren können: so wird dann sogar „schwaben raus“ zum emanzipatorischen slogan umgelogen.

hier ein text, der bernd belinas (ein/der veranstalter der forschungswerkstatt) raumtheorie kritisiert.
auch lesenswert: gentrifizierung als ideologie.

kritische raumtheorie ist ein wasteland. antideutsche(blogger) legen eine naivität an den tag, die direkt den neunzigern entsprungen sein könnte: technopartys werden abgefeiert, in die möglichkeiten des internets wird eine positive weiterentwicklung der bürgerlichen diskussionsformen hineinimaginiert. bei der weit verbreiteten retro-cyberspace-euphorie, die für alle einen passenden kotzkübel bereithält, wird die materialität von räumen vergessen. die gentrifizierungsdebatte wird in der jungle world auch eher oberflächlich auf basis von lebenstilbetrachtungen geführt. eine antideutsche perspektive auf das thema „freiräume“ steht aus, bzw. schwankt zwischen ideologiekritik und israelurlauben.